Die Entstehung der Gemeinde Wulfen          

 Von Josef Brunn 

Vom Haupthof - zur Hofgemeinde - zur Bauernschaft 

Im 11. Jahrhundert, als das Christentum im Sachsenlande bereits festen Fuß gefaßt hatte, finden wir das Land in Gaue oder Grafschaften eingeteilt. Das jetzige Gebiet der Herrlichkeit gehörte dem Braemgau an, ursprünglich auch Hamaland genannt, jener alten Grafschaft, deren Hauptgerichtsstuhl in Borken lag.

An der Spitze eines solchen Gaues stand der Graf, ein vom Kaiser ernannter hoher Beamter. Dreimal im Jahre wurde das Goding oder Grafenting zusammen-gerufen, um über das Wohl des Gaues zu beraten, also Verwaltungsangelegen­heiten zu erledigen, Recht zu sprechen und die Jugend wehrhaft zu erklären.

Wie sah es nun zu jener Zeit in den kleinsten Gemeinden aus, beispielsweise in dem Bezirk der heutigen Gemeinde Wulfen?

Gemeinden nach unseren heutigen Vorstellungen gab es damals noch nicht, sie sind erst viele Jahrhunderte später entstanden.

Die kleinste Gemeinschaft bildete zu jener Zeit die Hofgemeinde. Ihr Mittel-punkt war der Haupthof, der älteste Hof, also der Hof, der bei der Besiedlung zuerst entstanden war.

Ein solcher Hof war auch der alte Haupthof zu Wulfhem, der in der Nähe der heutigen Pastorat lag. Die dort vorhandenen Gärten trugen noch zu Beginn dieses Jahrhunderts den Namen ,,Burggarteti". Auch hat man dort vor mehr als hundert Jahren Bruchstücke von altem Mauerwerk gefunden. Die heutigen Straßenbezeichnungen ,,Burghof" und ,,Burgring" erinnern an den damaligen Standort der Burg Wulfhem.

Neue Ansiedlungen erfolgten in unmittelbarer Nähe eines solchen Haupt-hofes. So entstand die Hofgemeinde. In einer solchen Hofgemeinde behielt der Haupthof immer die Vorrangstellung.

Die Hofgemeinde versammelte sich alljährlich an bestimmten Tagen auf dem Haupthof, oder auch Richthof genannt, um die Hofgesetze zu verlesen, Ver­gehen zu bestrafen und Hofangelegenheiten zu beraten.

Zur Bestreitung von Kriegskosten und allgemeinen Angelegenheiten wurden Abgaben erforderlich, die bei diesen Versammlungen entrichtet wurden. Für diese Versammlungen bildete sich später die Bezeichnung ,,Hofgericht". Die zu den Höfen gehörenden Gebäude und Grundstücke waren mit Wall, Graben und Hecken

umgeben. Was darüber hinauslag, hieß die ,,offene Mark" und gehört mehreren Höfen gemeinsam.

Der Besitzer des Haupthofes führte beim Hofgericht, so auch beim Marken gericht, oder Holzgericht genannt, den Vorsitz. Fast alle Rechtsstreitigkeitei wurden an diesen beiden Gerichten, dem Hof- und Markengericht, abgeurteilt.

Im heutigen Gebiet von Wulfen gab es zu jener Zeit 4 Hofgemeinden:

1.   Dorf-Lehmkuhl-Köhl

2.   Dimke-Surik-Kippheide

3.   Deuten-Brosthausen

4.   Sölten-Tüshaus.

Aus diesen Hofgemeinden, die zerstreut, von großen Wäldern und zum Teil von unwegsamen Mooren umgeben waren, entstanden die späteren Bauernschaften.

Nach und nach gewannen die Haupthöfe an Macht und Ansehen und wurden dann von den Fürsten hochverdienten Beamten als Lehen gegeben, den sogenannten Ministerialen oder auch Edelleuten.

So erhielt gegen 1100 das Ministerialgeschlecht der von Wulfhem den Hof Wulfhem als Lehen und war bis zum 14. Jahrhundert in unserer Gegend reich begütert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                      Der erste Westfale                                   

Von Joseph Kellner 

Der liebe Gott wandelte mit seinen Jüngern noch hier unten auf Erden. Da kam er auch einmal mit dem hl. Petrus durch unsere westfälische Heimat. Die Gegend war mit gewaltigen Urwäldern und moorigen Sümpfen bedeckt. Wüst und wild sah sie aus, denn Menschen gab es hier noch nicht. ,,Sieh' dieses Land", sprach Petrus den Herrn an, ,,wohl ist es rauh und unwirtlich, aber die Erde scheint mir fruchtbar. Willst du nicht einen Menschen schaffen, der das Land urbar macht, damit es eine schöne Heimat werde für ihn und seine Nachkommen?" Der Herr zeigte auf einen schweren, knorrigen Eichknubben, der in der Nähe lag, und erwiderte: ,,Stoße ihn an mit deinem Fuß!" Petrus tat es. Sogleich fing der Knubben an zu leben, und ein mächtiger, wilder Mann, ein Riese fast, wuchs aus ihm hervor. Er reckte sich hoch, trat aber sofort drohend auf den erstaunten Heiligen zu und brüllte ihn an: ,,Watt stött'st du mi?!" Petrus erschrak und flüchtete zum Herrn. Der jedoch beruhigte ihn:

,,Fürchte dich nicht. Wie er ist, gefällt er mir: Fürs erste wohl rauh, wohl schroff und butt, dabei doch däftig, treu und gut. Das wirst du noch erfahren. So wie er ist, so soll er bleiben, er wie jeder, der als Nachfahr dieses Land bewohnt." So sprach der Herr. Der erste Westfale war erschaffen. Und wie dieser war, so sind die Westfalen noch heute.